Tech Brief #10 | KI-Agenten als Distributions-Plattform, Automatisierungs-Potentiale im Kundenservice und Deepfake-Abwehr

I) Mondelez krempelt Digital-Strategie für KI-Agenten um

Der Lebensmittelgigant baut seine digitale Commerce-Strategie radikal um, damit die eigenen Produkte von KI-Agenten gefunden werden. Zuvor hatte man KI-Crawler aus IP-Schutzgründen blockiert – mit dem Ergebnis, dass Kernmarken wie Oreo in nur 10% der relevanten KI-Chats auftauchten. Nach dem Entsperren der Crawler und einer tiefgreifenden technischen Optimierung der Websites für maschinelle Lesbarkeit stieg die Präsenz von Oreo in den KI-Outputs auf rund 70%. Quelle: Digiday

Strategische Einordnung: GenAI-Chatbots sind eine neue Distributionsplattform – vergleichbar mit dem historischen Aufstieg des Internets oder des Smartphones. Wenn KI in Zukunft Kaufentscheidungen für Konsumenten vorfiltert oder direkt trifft, müssen Marken an ihrer Sichtbarkeit für die Agenten arbeiten und die neuen Customer Journeys aktiv mitgestalten.

II) Trade Republic stellt 1.000 Kundenservice-Mitarbeiter ein

Der Neobroker Trade Republic, der für 8 Millionen Kunden über 100 Milliarden Euro an Assets verwaltet, stellt 1.000 menschliche Service-Mitarbeiter ein. Nach massiver Kritik und Beschwerden von Verbraucherschützern verabschiedet sich das Unternehmen damit von seinem bisherigen, fast ausschließlich auf Chatbots und Automatisierung basierenden Kundenservice-Ansatz und bietet nun 24/7-Support per Telefon und Live-Chat an. Quelle: Manager Magazin

Strategische Einordnung: Die oberflächliche Lesart ist, dass der reine Tech-Support hier gescheitert sei. Meine Perspektive ist stattdessen: Ein Unternehmen hat es geschafft, in einer stark regulierten Branche über Jahre hinweg fast komplett ohne regulären, menschlichen Kundenservice zu skalieren. Das zeigt, dass die meisten Unternehmen ihr Automatisierungspotenzial im Service aktuell kaum ausschöpfen.

III) Zoom kooperiert mit „Worldcoin“ zur Identifikation von Menschen

Zoom integriert die Biometrie-Technologie „World ID“ (des von Sam Altman mitgegründeten Unternehmens World), um Teilnehmer in Videokonferenzen als echte Menschen zu verifizieren. Die neue Funktion „Deep Face“ gleicht den Live-Video-Feed der Nutzer mit einem zuvor erstellten, kryptografischen Iris-Scan ab. Ziel ist es, zu verhindern, dass KI-generierte Deepfakes oder Avatare unbemerkt an sensiblen Business-Meetings teilnehmen. Quelle: Axios

Strategische Einordnung: Im Hiring für Remote-Jobs, insbesondere von Software-Entwicklern, ist höchste Vorsicht geboten. Es häufen sich Vorfälle, in denen sich Bewerber durch KI-Avatare oder externe „Proxys“ in Video-Interviews vertreten lassen, um sich lukrative Positionen oder Zugang zu internen Repositories zu erschleichen.

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