Tech Brief #2 | Gegensätzliche KI-Strategien im Fokus
I) Block kündigt 40% Stellenabbau an; Aktie +24%
CEO Jack Dorsey reduziert die Belegschaft um ca. 4.000 Mitarbeitende. Seine Argumentation: Trotz eines robusten Geschäftsmodells haben KI-Tools die Wirtschaftlichkeit des Betriebs verändert und ermöglichen es kleineren Teams, in großem Stil zu skalieren. Die Aktie stieg nach der Ankündigung um über 20%. Quelle: Jack Dorsey / X
Strategische Einordung: Bisher gab es nur wenige Beispiele für derartige Restrukturierungen in der Tech-Branche – z.B. Twitter (ebenfalls von Jack Dorsey gegründet) nach der Übernahme durch Elon Musk oder Klarna. Diese waren jedoch vermutlich eher organisatorischen Ineffizienzen als echten KI-Fortschritten geschuldet. Ich erwarte künftig deutlich mehr dieser substanziellen, KI-getriebenen Reorganisationen, die weit über die üblichen Einsparungen von 10-20% hinausgehen.
II) Duolingo opfert Gewinnwachstum für Produktinvestitionen; Aktie -21%
Luis von Ahn kündigt eine bewusste Verschiebung von kurzfristiger Profitabilität zu Investitionen in einen breiteren Zugang zu Premium-KI-Funktionen an. Dadurch und aufgrund weniger agressiver Monetarisierung soll das Wachstum gesteigert und bis 2028 rund 100 Mio. täglich aktive Nutzer (DAUs) erreicht werden. Die Aktie gab nachbörslich um ca. 21% nach. Quelle: Duolingo Q4/FY25 Shareholder Letter
Strategische Einordung: Dies ist nahezu die gegenteilige Strategie zu Block – aber trotz der unmittelbaren Marktreaktion nicht zwingend die falsche. In einem von Unsicherheit geprägten Umfeld bevorzugen Investoren den „sichereren“ Weg. Dennoch erscheint mir Duolingos Ansatz, massiv in das Nutzerwachstum zu investieren, sinnvoll: i) Es vergrößert ihren „Data Moat“ (den Wettbewerbsvorteil durch proprietäre Daten) und ii) die Nutzerakquise wird künftig nur noch teurer werden.
Fazit
Derzeit werden die Märkte von zwei großen Ängsten getrieben: Erstens, dass sich die enormen KI-Investitionen der Hyperscaler nicht auszahlen. Zweitens, dass KI mittelfristig nahezu alle White-Collar-Jobs ersetzen wird. Beide Sorgen sind übertrieben, üben aber eine enorme Sogwirkung aus. Für CEOs kommt es darauf an, sich für einen klaren Pfad zu entscheiden und das eigene Urteilsvermögen nicht von der aktuellen Marktstimmung trüben zu lassen.