Tech Brief #7 | Knappe Rechenkapazität & Versteckte Open-Source-Modelle aus China

I) OpenAI stoppt Sora

OpenAI legt seinen gehypten Video-Generator „Sora“ vorerst auf Eis. Dabei hatte man gerade erst eine Vereinbarung mit Disney über ein 1 Mrd. USD schweres Investment und die Verwendung der IP-Rechte geschlossen, die damit auch hinfällig sein dürfte. Quelle: WSJ

Strategische Einordnung: Zum einen kann dieser Schritt als Teil der aktuellen Refokussierung von OpenAI gesehen werden. Da das Unternehmen im B2B-Rennen um Unternehmenskunden immer stärker gegenüber Anthropic ins Hintertreffen gerät, bündelt man jetzt die Entwicklungsressourcen rigoros auf Angebote für diese Kern-Zielgruppe. Zum anderen zeigt sich hier schonungslos die aktuelle Knappheit an Rechenleistung. Video-Generierung verschlingt Unmengen an Kapazität, die nun konsequent auf die werthaltigsten Anwendungsfälle umgeleitet wird.

II) Cursor nutzt chinesisches Open-Source- Modell

Das hochbewertete Coding-Startup Cursor (aktuelle Bewertung geschätzt zwischen 30 und 50 Mrd. USD) hat sein angeblich proprietäres Modell „Composer 2“ offenbar nicht selbst entwickelt. Recherchen zeigen, dass im Hintergrund stattdessen das günstige chinesische Open-Weights-Modell „Kimi 2.5“ (von Moonshot AI) arbeitet. Cursor hatte diese Tatsache bei der Vermarktung verschwiegen. Quelle: TechCrunch

Strategische Einordnung: Dieser Vorfall macht unmissverständlich klar: Ein Wiederverkäufer (Wrapper) von KI-Leistungen wie Cursor muss auf billige Open-Source-Modelle – die in der Spitze aktuell alle aus China stammen – zurückgreifen, um eine attraktive Marge zu generieren. Für viele Anwenderunternehmen ergibt diese Logik jedoch keinen Sinn. Es ist strategisch weitaus klüger, direkt die leistungsstärksten, in der Entwicklung etwa sechs Monate weiter fortgeschrittenen Frontier-Modelle (im Fall von Coding z.B. Anthropics Claude) einzusetzen. Deren Token-Kosten liegen am Ende ohnehin um den Faktor 100x unter den Kosten eines menschlichen Entwicklers.

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